Furioses Finale der Kabarett-Reihe

Erstellt am Montag, 08. Mai 2017

DSC02797Sie ist schon lange ein wichtiger Teil unseres Schullebens. Als ideologisch besetztes Wahlkampfthema ist sie regelmäßig medial präsent, doch sie wird für die meisten Menschen überhaupt erst dann zum Thema, wenn sie selbst betroffen sind. Die Rede ist von der Inklusion (lat. includere: einschließen, beinhalten).

Sie steht im schulischen Rahmen dafür, dass Schülerinnen und Schüler mit und ohne Behinderung gemeinsam unterrichtet werden. Ihre gesellschaftliche Relevanz ergibt sich durch das Grundgesetz unseres Landes und durch die UN-Behindertenrechtskonvention. Die Umsetzung der Inklusion in unserer Gesellschaft ist jedoch noch lange keine Erfolgsgeschichte.

Sich den damit verbundenen Fragen und Problemen in vollen Zügen zu widmen, war Rainer Schmidt, Pfarrer, Buchautor und Kabarettist, ins Forum der Marienschule gekommen. Er sorgte für ein furioses Finale unserer Kabarett-Reihe zum Jubiläumsjahr.

Als glühender Verfechter der Inklusion nahm er die anwesenden rund 200 Besucherinnen und Besucher mit auf seinen Lebensweg, auf dem er bedingt durch körperliche Behinderung - Schmidt kam ohne Hände und mit einem verkürzten Bein zur Welt - selbst erheblichen Inklusionsbedarf hatte. Humorvoll, aber auch nachdenklich stimmten die Anekdoten des Kabarettisten. Mit einem Repertoire an Strategien reagiere er auf Situationen, in denen Menschen Verunsicherung im Umgang mit ihm empfänden, z. B. beim Versuch, ihm die Hände zu schütteln.

Er rede in solchen Momenten beispielsweise einfach drauf los oder gehe (bei Frauen) einfach drauf los. Manchmal erzähle er Behindertenwitze oder stecke sich kleine Bockwürstchen in die Finger seiner Handschuhe, um seinen Mitmenschen schalkhaft über die Verunsicherung hinwegzuhelfen. Das Publikum würdigte diese offensive Herangehensweise an die Inklusion mit manchem Zwischenapplaus. Die Beteiligten müssten fachlich geschult werden, um Gleichberechtigung zwischen allen Menschen verwirklichen zu können, so Rainer Schmidt.DSC02804

Den Erziehern, Lehrern und Eltern müsse es darum gehen, Kindern den "sense of belonging", das Gefühl der Zugehörigkeit, zu vermitteln. Ein Gefühl, das er auf der 100 Kilometer entfernten Förderschule nicht gehabt habe.

Im zweiten Teil seines Programms warb Rainer Schmidt für eine Inklusionskultur in unserem Land. Ein Problem bestehe u. a. darin, dass Menschen wegen ihrer Behinderung kategorisiert werden, wodurch unbewusst eine Auf- bzw. Abwertung des Menschen vollzogen werde. Aus Gottes Perspektive seien aber alle Menschen eingeschränkt.

Für große Erheiterung sorgte Schmidt, als er über das "Ausnutzen des Behindertenvorteils" sprach. Er lasse sich das Brötchen nicht nur aufschneiden und schmieren, er lasse sich anschließend auch noch füttern, obwohl er das Brötchen auch selbst schmieren und essen könne. Inklusion heiße eben auch, KlisDSC02811 2chees zu überwinden und einen behinderten Menschen nicht nur nach dem "ersten Blick" zu beurteilen. Menschen mit Behinderung hätten "einen zweiten Blick verdient". In diesem Zusammenhang verwies er auf die Kinder, die im Umgang mit behinderten Menschen oftmals unvoreingenommener seien als Erwachsene.

Als Schlussakt forderte Rainer Schmidt, Goldmedaillen-Gewinner bei den Paralympics, unsere Schulleiterin Ute van der Wal zu einem Tischtennisduell. Inklusion heiße eben "Mitmachen", um "gleichberechtigtes Zusammenleben" zu ermöglichen.DSC02832

Das Publikum bedankte sich bei dem "Multitalent" mit einem kräftigen Applaus. Dieser Abend wird wohl noch lange in Erinnerung bleiben und - das bleibt am Ende zu wünschen - ein kleines Stück zur Erfolgsgeschichte der Inklusion in unserer Gesellschaft beitragen.

 

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