Schwester Anna stellt Ordensgeschichte vor

Erstellt am Montag, 22. Mai 2017

Sr Anna Schwanz und Schulleiterin Ute van der Wal„Mit Ruhe, Mut und richtiger Überlegung kommt man unter Gottes Schutz weit.“ - Unter diesem Leitwort Pauline von Mallinckrodts fasste Schwester Anna Schwanz, ehemalige Schulleiterin der Marienschule Lippstadt, in ihrem Vortrag, den sie am Mittwoch, 17.05.2017 zur Geschichte der Kongregation der Schwestern der Christlichen Liebe seit 1881 hielt, das Tun der Schwestern weltweit seit den Zeiten der Seligen Pauline von Mallinckrodt zusammen.

Die Marienschule hatte Schwester Anna Schwanz im Rahmen ihres Jubiläumsjahres insbesondere auch deshalb eingeladen, weil sie gerade die Ordensgeschichte unter dem Titel „Als Antwort auf Gottes Ruf. Geschichte der Kongregation der Schwestern der Christlichen Liebe seit 1881“ im Verlag Bonifatius veröffentlicht hat.

Eben dieses Leitwort wurde in den Schlaglichtern, die Schwester Anna auf die Geschichte der Kongregation warf, besonders deutlich. So beleuchtete sie zunächst den Einsatz der Schwestern für die Blinden. Dem Vorbild Pauline von Mallinckrodts entsprechend, die sich ganz früh der Blinden, und dabei insbesondere der blinden Mädchen, angenommen hatte und zum Beispiel eine Blindenbewahranstalt in Paderborn eingerichtet hatte, engagieren sich die Schwestern für Schule und Unterricht, Betreuung und Integration, Berufsausbildung und Werkstätten, aber auch in der Blindenschriftdruckerei in Paderborn oder der Hörbücherei - und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA, in der Schweiz oder aktuell in Manila auf den Philippinen. Schwester Anna veranschaulichte mit Fotos, Zitaten aus Briefen Mutter Paulines und aus verschiedenen historischen Quellen die Geschichte des Engagements für Blinde als bewegte Geschichte, in der sich die Schwestern immer wieder neuen Begebenheiten und Entwicklungen stellen und diese gemeistert haben. Sie ging dabei ebenso auf die Repressalien durch Nationalsozialisten, wie etwa das Verbot von Neuaufnahmen in die Blindenschule 1939, oder auch die Zerstörung der Gebäude bei den Luftangriffen auf Paderborn 1945 ein und fokussierte die Entwicklungen in der Paderborner Blindenschule, in der heute im Rahmen der Inklusion auch Kinder und Jugendliche ohne Behinderung aufgenommen werden. Besonders am Herzen lagen ihr die Berichte über die Arbeit der Schwestern in Manila, wo seit 1995 Pionierarbeit in der Unterstützung blinder Mädchen und Frauen geleistet wird. Diese Arbeit sei Aufbruch und Wagnis zugleich gewesen in einer fremden Kultur, die nur mit Mut und Gottvertrauen im Einsatz für Bedürftige gelingen konnte. Für die Hilfe aus der Marienschule, die dieses Engagement der Schwestern auf den Philippinen seit Jahrzehnten als soziales Projekt unterstützt, bedankte sich Schwester Anna ganz herzlich.

Zum Nachdenken brachte sie die im Forum der Marienschule versammelten Zuhörer mit ihrer Perspektive, dass sich die Schwestern in Offenheit für die Herausforderungen der Zeit die Frage stellen, wer die „Blinden unserer Tage“ seien, um in der Nachfolge Pauline von Mallinckrodts heute zu handeln.

In einem zweiten Teil stellte Schwester Anna das Engagement der Schwestern für Schule und Unterricht in den Mittelpunkt. Dieses besonderen Auftrags haben sie sich von Beginn an angenommen und auch in diesem Feld immer den Erfordernissen der Zeit entsprechend. Dies sieht man zum Beispiel daran, dass die Mädchenbildung zur Zeit Mutter Paulines Anliegen war. So wurde etwa bereits 1851 die erste katholische Mädchenschule in Dortmund gegründet. Aus eigener Erfahrung als Lehrerin am heutigen Mallinckrodt-Gymnasium in Dortmund stellte Schwester Anna die bewegte Schulgeschichte der Dortmunder Einrichtungen beispielhaft für das Engagement der Schwestern im Bereich Schule und Bildung in Deutschland vor. Sie machte darüber hinaus deutlich, dass gerade in den USA und Südamerika dieses Aufgabengebiet Schwerpunkt der Wirksamkeit war und ist. Während die Schwestern in Nordamerika die Arbeit vor allem in Pfarrschulen leisten, ist das Engagement in Uruguay getragen von der Überzeugung, jungen Menschen überhaupt den Zugang zu schulischer Bildung zu ermöglichen. Schwester Anna brachte ihre Freude zum Ausdruck, dass das Aufbaugymnasium sich mit seinem sozialen Engagement gerade diesem Anliegen der Schwestern in Südamerika annimmt.

Abschließend warf Schwester Anna einen Blick auf die Innenseite der weltweit vertretenen, tätigen Gemeinschaft, um damit sowohl die demokratischen Strukturen der apostolischen Kongregation als auch die aktuelle Situation verständlich zu machen. Sie erklärte, dass die Schwestern in lebendiger Erinnerung an Pauline von Mallinckrodt unter einer gemeinsamen Lebensregel zusammenlebten. Dies bedeute eine stets verlässliche Solidarität, die heute vor allem auch von internationaler Zusammenarbeit geprägt sei. In Zeiten stark abnehmende Mitgliederzahlen sehe man, dass auch neue Formen des Zusammenlebens etwa in den Laiengemeinschaften in Deutschland, Manila oder Nordamerika das Weiterleben der gemeinsame Grundüberzeugung in der Nachfolge Mutter Paulines möglich machen. Es gelte auch heute für die Schwestern immer, sich kritisch zu fragen, ob ihre Aufgaben den Erfordernissen der Zeit entsprechen, ob das gemeinsame Tun in Übereinstimmung mit dem Ordensauftrag stehe und was die Schwestern tun sollten und könnten.

 

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